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Mein Haus Vaterland

17.10.2008

Wir haben viel erreicht, meint Bundespräsident Köhler, seit die beiden Doppelhaushälften ein gemeinsames Dach erhielten. In der Tat: Das Haus wird zusehends vom Exportschlager des Ostflügels, der PDS, unterminiert und versinkt im Morast: Große Koalition im gesamten Haus, Schlagloch-Koalition in der Hamburg-Wohnung, PDS-Kollaboration in der Hessen-Wohnung. Und jetzt der vorläufige Höhepunkt: Für die Wahl des nächsten Haus-Meisters präsentiert die PDS einen eigenen Kandidaten: einen semisenilen Dummsabbler, der Ronald Reagan des Sozialismus.

Wie ist es dazu gekommen? Es fing damit an, dass der April-Putsch in der Hessen-Wohnung zum Rohrkrepierer wurde, noch bevor er überhaupt begonnen hatte. Welcher Zweck sollte mit dieser Aktion verfolgt werden? Gleich zwei: zum einen natürlich die Bildung einer SPD-Grünen-Regierung auf Deubel komm raus. Zum anderen aber: Die SPD und die Grünen müssen vor den Augen der Bewohner des Westflügels eine Schau abziehen, indem sie ein großes Ding mit der PDS drehen. Wozu? Damit das dumme West-Wahlvolk nicht auf die Barrikaden geht, wenn es nach der Bundestagswahl 2009 zu einer indirekten oder direkten Regierungsbeteiligung der PDS kommt. Denn das ist die einzige Alternative zu einer Neuauflage der Großen Koalition (hat da jemand was von Pest und Cholera gesagt?). SPD und Grüne müssen dem Volke vorgaukeln, dass die PDS doch ganz harmlos ist: Die tun doch nichts, die wollen doch nur spielen! Schaut mal, wie artig und staatstragend die PDS sich seit April 2008 in der Hessen-Wohnung benimmt. Da ist es doch nur ein Klacks, sie anderthalb Jahre später mal eben so ein klitzekleines bisschen auch an der Bundesregierung zu beteiligen (oder wollt ihr etwa wieder eine Große Koalition, hähähä!).

Dummerweise spielte sich die Wirklichkeit aber wieder mal ganz anders ab, als Parteistrategen mit ihrer Rechenschieber-Mentalität das gerne hätten, und eine bis dahin unbekannte Frau Metzger brachte den schlauen Plan zu Fall. Warum eigentlich? Hätten SPD, Grüne und PDS ohne die Heldin nicht mehr die Mehrheit gehabt? Doch. Aber weshalb wurde dann der Staatsstreich so blitzschnell abgeblasen? Weil die hessische SPD-Spitze ihrer eigenen Fraktion nicht traute. Gab es vielleicht noch weitere Abweichler, die aber nicht den Mut hatten, sich vorher zu offenbaren, sondern den Dolch erst am 5. April aus dem Gewande gezogen hätten? Am meisten erzürnt über den verpufften Putsch war die PDS. Warum nur? Weil ihr eine Situation erspart blieb, die eigentlich das Lächerlichste und Demütigendste ist, was einer Partei widerfahren kann - Stimmvieh zu spielen, ohne mitregieren zu dürfen? Genau diese Rolle hätte die PDS sich natürlich nicht aufdrücken lassen, vielmehr wäre sie faktisch dritte Regierungspartei geworden. Hessen sollte die Generalprobe sein, um nach und nach den kompletten Westflügel aufzurollen. Weshalb beabsichtigten SPD und Grüne denn nicht einfach eine richtige Koalition mit der PDS? Weil die Bewohner der Hessen-Wohnung sich das nicht hätten gefallen lassen. Die Westdeutschen, diese Weicheier, stellen sich aber auch so was von zickig an, nur weil die umbenannte SED endlich wieder an die Macht will. Während der kommenden 5 Jahre sollten die Hessen-Bewohner eingelullt werden und sich allmählich an die PDS in ihrer scheinbaren Statistenrolle gewöhnen, und nach der nächsten Landtagswahl wäre sie dann als Vollmitglied in die ehrenwerte Regierungsgesellschaft aufgenommen worden.

Nachdem dies schiefgegangen war, mussten sich SPD und Grüne etwas Neues einfallen lassen - und kamen auf die glorreiche Idee, die Wahl des Bundespräsidenten als politisches Kampfmittel zu instrumentalisieren. Und das geht so: Bislang haben CDU/CSU und FDP die Mehrheit in der Bundesversammlung. Im September würde aber Wahl in der Bayern-Wohnung sein, und schon im Frühjahr pfiffen es die Spatzen von den Dächern: Die CSU wird massiv Stimmen verlieren. Wer wird dann stattdessen diese Stimmen bekommen? Natürlich die SPD. Dann haben SPD, Grüne und PDS eine Mehrheit in der Bundesversammlung, die SPD holt ihre 2004er Kandidatin aus der Mottenkiste, und die wird schwuppdiwupp zur Bundespräsidentin gewählt. Und dem Volke wird vorgegaukelt, wie lieb die PDS doch ist: Wer so brav und bieder die Bundespräsidentin mitgewählt hat, darf ab Herbst 2009 auch so ein klitzekleines bisschen ... (siehe oben). So dachten SPD und Grüne sich das und klatschten vor Freude in die Hände. Doch das Wahlvolk machte mal wieder, was es wollte: Zwar verlor die CSU wie erwartet jede Menge Stimmen, die SPD aber auch. Nanu, wie geht das denn, so war das doch gar nicht geplant! Die SPD rieb sich verdattert die verschlafenen Augen und traute den selbigen nicht: Die CSU-Stimmen (und obendrein viele SPD-Stimmen) hatte eine neue Partei eingeheimst. Was, eine neue Partei war da gegründet worden? Einfach so? Ohne die etablierten Parteien vorher zu fragen? Eine Ungeheuerlichkeit! Das grenzt ja an Demokratie!

Die so schlau hingerechnete Mehrheit in der Bundesversammlung war damit schon wieder futsch, noch bevor es sie gab. Neuerlich hatte die SPD die PDS aufs Drahtseil gelockt, wieder war die PDS abgestürzt und bis aufs Hemd blamiert, wieder war ihr die Machtergreifung im Westflügel entglitten. Schon vor der Bayern-Wahl sann die PDS deshalb auf grausame Rache für die Hessen-Blamage und nun erst recht: Schluss mit dem harmonischen Schwanengesang! Jetzt basteln wir uns einen eigenen Kandidaten und lassen die SPD so richtig auflaufen!

Und hier ist das Ergebnis des monatelangen Vorwahlkrampfs der PDS: der älteste Präsidentschaftskandidat, den es jemals gab, was zweifellos von der Fortschrittlichkeit des PDS zeugt. Ein Mensch, der sich nicht entblödet, kalt lächelnd zu verlautbaren, er wolle seine Kraft einsetzen, um der PDS zu helfen, ihr Haus zu bauen. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Ein Parteigänger als Bundespräsident, das Staatsoberhaupt als Transmissionsriemen der PDS. Es ist höchste Zeit, dass die Bewohner des Westflügels von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und der PDS endlich das erteilen, was ihr aufgrund des permanenten Hausfriedensbruchs gebührt: Hausverbot.

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(15.11.2008)

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